25+26 /04 /2008 IMPROVISIEREN – DAS UNVORHERSEHBARE TUN TAGUNG / HÖRSAAL / INSTITUT FÜR THEATERWISSENSCHAFT / FREIE UNIVERSITÄT BERLIN GRUNEWALDSTRASSE 35, 12165 BERLIN / STEGLITZ

 

Improvisieren ist seit jeher ein wichtiger Topos der künstlerischen Praxis. Eines seiner wesentlichen Kennzeichen ist die Verschaltung von Produktion und Rezeption: Wer improvisiert, agiert und reagiert zugleich – unabhängig davon, ob sich sein Tun in der Einsamkeit des Studios / Ateliers oder vor Zuschauern stattfindet, ob es sich solistisch oder im Kollektiv vollzieht. Denn Improvisieren entzieht sich dem Willen und der Kontrolle, dem Eigenen des Subjekts nicht nur partiell, sondern kategorial: Es richtet sich – in Abgrenzung zum Werkcharakter in seinen vielfältigen Ausprägungen – auf etwas Unvorhergesehenes, wenn nicht Unvorhersehbares. Wer improvisiert, setzt darauf, sich von seinem eigenen Tun überraschen zu lassen: Er sieht oder hört (s)einer Handlung zu, und er handelt als (s)ein Zuhörer bzw. Zuschauer.

Die Tagung fragt nach den Bedingungen für dieses (Un-) Vorhersehbare, nach (s)einer (Un-) Möglichkeit: Was ist überhaupt das vermeintlich Vorhersehbare im Gegensatz zum Improvisierten? Welche Fähigkeiten werden gebraucht, welche Anforderungen stellen sich? Welche Kategorien für die Beschreibung, welche Kriterien für die Beurteilung gibt es? Inwieweit bezieht die Praxis des Improvisierens den Zuschauer und Zuhörer mit ein? Und wie stellen sich die Künste und Wissenschaften zu den aporetischen Momenten des Improvisierens?

 



10:00 – 11:00

11:00 – 12:00
12:00 – 12:30
12:30 – 13:30
13:30 – 15:00
15:00 – 16:00

16:00 – 17:00
17:00 – 17:30
17:30 – 18:30
18:30 – 19:00

 

Freitag, 25. April 2008

Gabriele Brandstetter, Hans-Friedrich Bormann, Annemarie Matzke: Einführung
Georg Bertram (Berlin): Improvisation und Normativität
Kaffeepause
Edgar Landgraf (Bowling Green/Salzburg): Unvorhersehbarkeit, Kreativität, Individualität.
Beobachtungen zur poetischen und gesellschaftlichen Reflexion improvisierten Handelns in der Romantik
Sandro Zanetti (Berlin): Handeln ohne Handlung. Spannungsmomente der Improvisation
(Quintilian-Andersen/Kleist-Kafka)


Samstag, 26. April 2008

Roland Borgards (Würzburg): Gesetz, Improvisation, Medien.
Improvisationsliteratur im frühen 20. Jahrhundert
Sylvia Sasse (Berlin): Selbstverunsicherung: Nikolaj Evreinov und Atom Egoyan
Kaffeepause
Kai van Eikels (Berlin): Improvisiertes Genießen oder: Wie wird Gleichheit wirklich?
Mittagspause
Markus Krajewski (Weimar): Same procedure as every year. Der virtuose Butler zwischen Regelvollzug und Improvisation
Friederike Lampert (Hamburg): Improvisierte Choreographie. Zur spontanen Komposition im Tanz
Kaffeepause
Christopher Dell (Berlin): Subjekte der Wiederverwertung
Schlussdiskussion

 

Die Referenten

 
Georg W. Bertram
Seit 2007 Professor für Philosophie (Schwerpunkt: Philosophische Ästhetik) an der Freien Universität Berlin. 1997 Promotion in Philosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2004 Habilitation in Philosophie an der Universität Hildesheim. 1996-2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2002-2007 Juniorprofessor für Philosophie an der Universität Hildesheim. 2004 Research Scholar am Department of Philosophy der University of Pittsburgh, bei Prof. John McDowell. Sommersemester 2006 Gastprofessor für Philosophie an der Universität Wien. Ausgewählte Veröffentlichungen: Philosophie des Sturm und Drang. Eine Konstitution der Moderne (2000); Hermeneutik und Dekonstruktion. Konturen einer Auseinandersetzung der Gegenwartsphilosophie (2002); Kunst. Eine philosophische Einführung (2005); Die Sprache und das Ganze. Entwurf einer antireduktionistischen Sprachphilosophie (2006).
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Roland Borgards
Studium der Germanistik, Philosophie, Geschichte und Musikwissenschaft in Freiburg, Lyon und Gießen; Promotion über „Sprache als Bild“ (2001); Habilitation über „Poetik des Schmerzes“ (2005); derzeit Lehrstuhlvertretung am Institut für Deutsche Philologie der Universität Würzburg. Forschungsschwerpunkte: Tier, Improvisation, Schmerz, Literatur und Wissenschaft, Literatur und Recht.
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Hans-Friedrich Bormann

Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen, 1996-2001 wiss. Mitarbeiter im DFG-Schwerpunktprogramm „Theatralität“; Promotion über John Cage. Seit 2003 wiss. Assistent am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin; Mitarbeit u.a. im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ und im Zentrum für Bewegungsforschung. Veröffentlichungen zur Geschichte und Ästhetik der performativen Künste und Medien, darunter: Verschwiegene Stille. John Cages performative Ästhetik (München 2005).
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Gabriele Brandstetter
Professorin für Theater- und Tanzwissenschaft an der FU Berlin. Forschungsschwerpunkte: Theorie der Darstellung, Körper- und Bewegungskonzepte; Forschungen zu Literatur, Tanz, Theatralität und Geschlechterdifferenz. 2004 Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Jüngste Veröffentlichungen Bild-Sprung. TanzTheaterBewegung im Wechsel der Medien (2005), Schwarm(E)Motion. Bewegung zwischen Affekt und Masse (2007, Mit-Hg.), Methoden der Tanzwissenschaft. Modellanalysen zu Pina Bauschs „Le Sacre du Printemps“ (2007, Mit-Hg.), Tanz als Anthropologie (2007, Mit-Hg.), Figur und Figuration. Studien zu Wahrnehmung und Wissen (2007, Mit-Hg.)
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Christopher Dell

freiberuflicher Künstler, Musiker, Komponist, Kurator und Autor; 1984-85 Philosophiestudium, TU Darmstadt; 1985-86 Musik- und Kompositionsstudium, Conservatorium Hilversum, 1986-88 Conservatorium Rotterdam, 1988-90 Berklee School of Music, Boston, Meisterschüler bei Gary Burton; 1993-94 Kompositionsstudium bei Prof. Dr. Engelmann; 2003-05 MA Human Resources, Organisationsentwicklung, TU Kaiserslautern. 2006-2007 Lehrbeauftragter für Architekturtheorie an der Universität der Künste, Berlin. Zahlreiche Publikationen zum Thema Architekturtheorie sowie zur Improvisation, u.a.: Prinzip Improvisation (Köln 2002). Zahlreiche CD-Veröffentlichungen und Tourneen, u.a. in Kanada, China, Indien, U.S.A., Japan, Indien, Afrika und Südamerika. Auszeichnungen: Downbeat Allstar Award, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, JazzArt-Award-Musik des 21. Jahrhunderts, Musikpreis der Stadt Darmstadt.
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Kai van Eikels
Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Schauspielregie. Nach Inszenierungen an deutschen Bühnen promovierte und lehrte er in Hamburg und forschte an der Tokyo Universität. Gegenwärtig ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“. Veröffentlichungen u.a. zu Zeitphilosophie und Poetik, Interkulturalität, Zeit-Management, Politik des Ultimatums, Rache, Schwärme und neuen Kollektivformen. Aktuelle Projekte: „Soziale Virtuosität – Die Kunst des Kollektiven“, „Prognosen über Bewegungen“ (Vortrags- und Performance-Reihe zus. mit dem Theater Hebbel am Ufer/HAU). Internet: t-rich.prognosen-in-bewegung.de; wasistvirtuos.twoday.net.
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Markus Krajewski,
Dr. phil., arbeitet an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar; Hauptforschungsgebiete sind derzeit randständige Epistemologien, Diener sowie bestimmte Bauformen deutscher Nachkriegsarchitektur. Zuletzt erschienen: Restlosigkeit. Weltprojekte um 1900, (Frankfurt am Main 2006), ZettelWirtschaft. Die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek (Berlin, 2002), sowie als Herausgeber Projektemacher. Zur Produktion von Wissen in der Vorform des Scheiterns (Berlin, 2004). Außerdem: Autor der elektronischen Literaturverwaltungssoftware synapsen. Ein hyper-textueller Zettelkasten auf www.verzetteln.de/synapsen/.
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Friederike Lampert
Theaterwissenschaftlerin, Tänzerin (u.a. bei Amanda Miller – Pretty Ugly Dancecompany) und Choreographin. Ballettstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt a.M. und Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Giessen. 2002-2006 wiss. Mitarbeiterin am Fachbereich Bewegungswissenschaft, Performance Studies, an der Universität Hamburg. Promotion zum Thema „Improvisation im künstlerischen Tanz“ (Tanzwissenschaftspreis NRW 2006). Seit 2007 schwerpunktmäßig tätig im Bereich der Vermittlung von Theorie und Praxis des Tanzes; künstlerische Leiterin des K3-Jugendklubs auf Kampnagel, Hamburg. Veröffentlichung: Tanzimprovisation (Bielefeld 2007).
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Annemarie Matzke
Performancekünstlerin und Theaterwissenschaftlerin. Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. Mitglied des Performance-Kollektivs She She Pop seit 1994. Promotionstipendiatin am Graduiertenkolleg "Authentizität als Darstellung". Promotion zu Formen der Selbst-Inszenierung im zeitgenössischen Theater. Von 2001-2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Hildesheim. Seit 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin. Derzeitiges Forschungsprojekt: "Arbeit am Theater. Zu einer Diskursgeschichte der Probe". Veröffentlichungen (Auswahl): (Mithrgs.) TheaterTheoriePraxis (Berlin 2003) Testen, Spielen, Tricksen, Scheitern (Hildesheim 2005).
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Edgar Landgraf
Associate Professor of German, Bowling Green State University (Ohio). Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich, der University of Illinois in Chicago (M.A. 1992) und der Johns Hopkins University in Baltimore (Ph.D. 1998). Forschungsschwerpunkte: Literatur und Ästhetik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts; Literaturwissenschaft und Systemtheorie. Laufendes Projekt: „Improvisation, Kunst, Lebenskunst. Unvorhersehbarkeit und Kreativität zur Goethezeit.“
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Sylvia Sasse
Lehrstuhl für Ostslawische Literaturen und Kulturen an der HU Berlin; Studium der Slavistik und Germanistik in Konstanz, St. Petersburg, Moskau, 1999 Promotion am Graduiertenkolleg "Theorie der Literatur und Kommunikation" (Universität Konstanz) mit einer Arbeit zur Sprachphilosophie des Moskauer Konzeptualismus, im Anschluss Postdoktorandin am Graduiertenkolleg "Körper-Inszenierungen" an der FU Berlin, 2002-2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (Berlin), 2003 Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung am Department of Slavic Languages and Literatures der UC Berkeley, Habilitation im November 2005 an der FU Berlin mit einer Arbeit zum Thema "Gift im Ohr. Zur Philosophie des Beichtens und Gestehens in der russischen Literatur". Veröffentlichungen: Texte in Aktion. Sprach- und Sprechakte im Moskauer Konzeptualismus. München 2003; Wortsünden. Zum Beichten und Gestehen in der russischen Literatur. München 2008.
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Sandro Zanetti
1993-1999 Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Basel, Freiburg i.B. und Tübingen; Forschungs- und Lehrtätigkeiten in Frankfurt a.M. (1999-2001 im DFG-Graduiertenkolleg „Zeiterfahrung und Ästhetische Wahrnehmung“), Basel (2001-2007 SNF-Projekt „Zur Genealogie des Schreibens“) und Berlin (2007-2008 Zentrum für Literatur- und Kulturforschung). Promotion 2005 mit „zeitoffen“. Zur Chronographie Paul Celans (München 2006). 2008 Ruf auf eine Juniorprofessor für neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim. Aufsätze u. a. zur Literatur und Kunst der Avantgarde, zu Antonioni, Celan, Goethe, Kleist, Mallarmé, Nietzsche und Rilke; aktuelles Forschungsprojekt zur Poetik von Spätwerken. Jüngste Publikation (Mithrsg.): „Schreiben heißt: sich selber lesen“. Schreibszenen als Selbstlektüren, München 2008.
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